Mittwoch, 2. August 2006
Unter Trotteln...
Die permanenten Vorhaltungen, welche ich meiner Mutter ob meiner Existenz machte, wurden an diesem Vormittag einmal mehr bestätigt. Zuallererst waren meine Bemühungen vergebens gewesen, einen Kunden von der Weitsichtigkeit zu überzeugen, die er mit dem Erwerb eines 800 Euro teuren Blueray-Brenners an den Tag legte. Hofiert hatte ich ihn bis zuletzt, was sich in einem für meine Verhältnisse ungemein zuvorkommenden Verkaufsgespräch abgezeichnet hatte. Um die Richtigkeit des potenziellen Kaufs zu verdeutlichen, waren sogar einige Male die Worte „visionär“, „Prosperität“, und „Phallus-Symbol“ mit eingeflossen. Anfänglich schien meine Strategie aufzugehen. Immerhin tat die Person so, als ob sie alles verstand was ich ihr sagte. Geschmeichelt fühlte sie sich auch. Den Laden verließ sie dann schließlich mit einem 35 Euro teuren DVD-Player der Marke Cyberhome. Da freute man sich doch 25 Minuten geholfen zu haben. Immerhin war ich während dieser Zeit vor den willkürlichen Zugriffen meiner Chefin sicher. Ich befand mich sozusagen auf geschütztem Terrain. Meine heimelige Barriere sollte jedoch wieder in jenem Moment kollabieren, als der Kunde gerade zur Tür hinaus war. „Herr Menowsky!“, schallte und schepperte es durch den Laden und vor meinen Augen offenbarte sich die menschengroße Kobra in all ihrer Abscheulichkeit. „Herr Menowsky, wir haben da ein kleines technisches Problem. Kommen Sie bitte mal nach hinten?“ Ich tat wie mir befohlen wurde, unabhängig der Tatsache, dass ich die Zeit, welche ich nun investieren würde wohl besser zum wichsen verwenden konnte.

„Herr Menowsky, dem Horst ist gerade...ja, wie soll ich sagen der Prozessor in zwei gegangen, der in den Kunden - PC eingebaut werden sollte.“
„Wie dass?“
„Ich weiß nicht, er meinte er hätte was Schweres draufgelegt.“
„Aha.“
„Wissen Sie, ob wir davon zufällig noch Einen auf Lager haben?“
„Ja, ich meine Nein, haben wir nicht. Der wurde extra für den Kunden bestellt. Ich könnte noch einen ordern, aber der wäre erst morgen hier.“
„Aber der PC soll doch heute Nachmittag schon rausgehen.“
„Tja.“
„Herr Menowsky, dass ist mir jetzt furchtbar unangenehm, aber mein Mann ist nicht da und..., na ja, meinen Sie dem Kunden würde es auffallen, wenn wir den PC auch ohne Prozessor ausgeben würden?“
„Puh, wissen Sie, ich versuch Ihnen das mal zu erklären. Der Prozessor ist so zu sagen das Hirn des Computers. Wenn der Kunde damit arbeiten könnte, ohne das er von dem fehlenden Prozessor Notiz nehmen würde, hieße das, dass wir genauso gut Sie anstelle unserer Workstation in Zukunft für alle komplexen Rechenoperationen einsetzen könnten, die in diesem Unternehmen anfallen. Das würde eine Menge Strom sparen, ihren Mann damit glücklich machen, und mir ab und an eine heiße Tasse Kaffee bescheren, ohne das ich mich als Energieverschwender bezeichnen lassen muss, nur weil ich die Heizplatte der Kaffeemaschine an lasse.“
„Sie glauben also, es würde dem Kunden nicht auffallen, wenn ich Sie jetzt richtig verstehe?“

An dieser Stelle brach ich das Gespräch ab, indem ich die Frage negierte und meine mir zustehende Raucherpause in Anspruch nahm. Während ich vor der Tür mit tiefen Zügen inhalierte stellte ich mir immer und immer wieder die Frage, wer gegen das deutsche Volk in der Post-Moderne eine derartigen Greul hegte, dass er seinen Genpool mit dieser Person gedumpt hatte.

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